Szenarien-Explorer in Excel

Die Ergebnisse dieser Webseite und in meinem Buch Klima-Wende-Zeit

basieren auf quantitativen, das heißt mit Zahlen hinterlegten Bilanzen. Beispielsweise lässt sich aus den Mengen der in einem Jahr genutzten fossilen Energieträger ausrechnen, wie viel Kohlendioxid bei deren Verbrennung in die Atmosphäre abgegeben wird. Dann ist bekannt, wie groß das sogenannte Kohlenstoff-Budget ist, das heißt die Menge, die wir an Kohlenstoff als Kohlendioxid ausstoßen dürfen, um eine bestimmte Temperatur als Klimaziel mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit einzuhalten. Damit lässt sich dann also angeben, wie der Konsum fossiler Energieträger zur Klimaerwärmung beiträgt. Entsprechende Bilanzen lassen sich für Landfläche und genutzte Energie aufstellen. Diese Bilanzen und Berechnungen wurden mit einer Excel-Datei durchgeführt, die Grundlage für diese Webseite und das Buch Klima-Wende-Zeit ist.

Durch meine Aktivitäten bei den Scientists for Future bot es sich an, diese Excel-Datei allgemeiner zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck wurden die zugrundeliegenden Zahlen auf den allerletzten Stand gebracht – manche Statistiken werden ja jedes Jahr aktualisiert – und die Steuerung der Datei so vereinfacht, dass jeder sie im Prinzip nutzen kann. Das Ergebnis kann hier heruntergeladen werden:

 Szenarien-Explorer in Excel

In dem Tabellenblatt ‚control‘ können mit Schiebern die Werte für einige wesentliche Einflussgrößen verändert werden. Die Grafiken, die einige Schlüssel-Zusammenhänge veranschaulichen, werden dann automatisch aktualisiert. Im unteren Bereich werden einerseits zahlenmäßige Ergebnisse angezeigt wie beispielsweise die Temperaturerhöhung bis 2100 und die insgesamt ausgestoßene Kohlendioxid-Menge. Andererseits werden Warnungen ausgegeben, die anzeigen, wenn wenig sinnvolle Bereiche der Einflussgrößen einzeln oder in Kombination gewählt wurden, oder darauf aufmerksam machen, dass zum Erreichen bestimmter Werte besondere Anstrengungen nötig sind.

Das Meiste ist in der Excel-Datei selbst erläutert. Ich möchte hier aber noch auf einige Randbedingungen und Besonderheiten hinweisen. Bei den betrachteten Szenarien handelt es sich nicht um die Auswertung von sogenannten Integrated Assessment Modellen (IAMs), wie sie für die Berichte des Weltklimarates üblicherweise berechnet werden. Dies hat den Vorteil, dass die Zusammenhänge deutlich einfacher und die Konsequenzen wesentlich direkter zu durchschauen sind. So ist stets offensichtlich, wie bestimmte Größen auf ein Szenario wirken. So können allerdings komplexere Zusammenhänge nicht abgebildet werden, was andererseits den Vorteil hat, dass viel weniger Parameter zu berücksichtigen sind. So sind bei meinen Betrachtungen beispielsweise keine Wirtschaftsmodelle hinterlegt. Das hat den Vorteil, dass auch keine Annahmen zu einem Wirtschaftsmodell nötig sind und wie sich unser Wirtschaftssystem zukünftig entwickeln wird. Es zeigt sich, dass eine der Stärken dieser Betrachtung eben ist, dass die grundlegenden Bilanzen gerade ohne solche Annahmen auskommen. Die Aussagen am Ende werden umso zwingender, weil die Bilanzen unausweichlich gelten, unabhängig von Annahmen beispielsweise zu einem Wirtschaftssystem.

Ein weitere Vorteil dieser einfachen Bilanzen ist, dass sich sofort angeben lässt, wenn bestimmte grundlegende Grenzen überschritten werden. So kann die Landfläche beispielsweise nicht ausreichen, wenn wir einerseits nachhaltige Landwirtschaft betreiben wollen, gleichzeitig aber alle Menschen ernährt werden sollen. Die einfachen Bilanzen erlauben also sehr direkt die Grenzen des realistisch Machbaren und des prinzipiell Möglichen zu überprüfen und so entsprechende Warnmeldungen zu erzeugen. In diesem Sinne sind diese einfachen Bilanzen meiner Meinung nach bezüglich Transparenz und wie zwingend die Aussagen am Ende sind auch anderen ähnlichen Tools überlegen, die es im Internet gibt (zum Beispiel En-Roads).

Es sei hier noch angemerkt, dass die angegebene Temperaturerhöhung stets die transiente Temperatur ist, das heißt die in 2100 zu erwartende globale mittlere Temperatur über dem vorindustriellen Wert. Das dabei zugrunde gelegte Kohlenstoff-Budget ist dem Sonderbericht des IPCC zu 1,5°C Klimaerwärmung entnommen. Inzwischen gibt es allerdings die Einsicht, dass diese womöglich etwas zu hoch sind, also eigentlich weniger ausgestoßen werden dürfte, um die Klimaziele zu erreichen. Dies wird in zukünftigen Versionen berücksichtigt werden. Schließlich sei darauf hingewiesen, dass die Excel-Datei ein internes Ablaufdatum hat, nach dem sie erneut von dieser Webseite heruntergeladen werden muss. Hintergrund dafür ist, dass jeweils nur eine aktuelle Version im Umlauf sein soll, da neuere Entwicklungen und Faktenlagen Updates nötig machen werden, die dann jeweils in der aktuellsten Version verfügbar gemacht werden sollen.

In dem Tabellenblatt ‚scenarios‘ kann man übrigens einige typische Szenarien auswählen, indem man die jeweilige Spalte kopiert und in die roten Felder des Tabellenblattes ‚control‘ einfügt. Diese vorgefertigten Szenarien lassen sich dann mit den Schiebern wieder verändern. So lassen sich einige grundlegende Zusammenhänge erforschen. Probieren Sie also aus, wie sich unsere Welt zukünftig nachhaltig so entwickeln kann, dass alle Menschen gut leben. Sie werden voraussichtlich merken, dass bei Szenarien, bei denen es keine grundlegenden Begrenzungen gibt, doch immer erhebliche Anstrengungen auch des individuellen Einzelnen nötig sein werden. Dies genauer zugänglich und erkundbar zu machen ist auch ein Ziel dieses Tools.

Die Tabellenblätter sind übrigens weitestgehend geschützt. Sollten Sie Interesse an einer Version ohne diese Einschränkungen haben, die im Rahmen von individuellen Vereinbarungen z.B. zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt werden kann, so melden Sie sich bitte.

Und nun: Viel Spaß beim Erkunden der Szenarien für eine realistisch mögliche nachhaltige Zukunft mit Wohlergehen für alle!

 

 

direkt zu den Konsequenzen:

erst zu individueller Verantwortung: